Ausseer Hardbradler – Hoamweh nach B.A.

„Doch jetzt, wo i furt bin, ho i gmerkt, wos du wert bist für mi. I ho Hoamweh noch BA, just a Hoamweh, i ho Hoamweh nach Aussee.“ 2003 herausgekommen, von den Fans begeistert aufgegriffen und 2004 mit dem Musikaward Amadeus ausgezeichnet, sorgte dieser Song für Schlagzeilen. Bandleader Florian Randacher versenkte damals den heißbegehrten Preis im Toplitzsee, kurz bevor sich die Band mit einem letzten offiziellen Konzert in Altaussee verabschiedete. Die Versenkung des Awards sollte den Unmut der Gruppe über die Machenschaften im Musikgeschäft zum Ausdruck bringen. Acht Jahre später, 2012, stießen Feuerwehrtaucher zufällig auf den versenkten Amadeus und brachten ihn wieder an die Oberfläche, exakt in dem Jahr, in dem Florian Randacher mit dem Comeback-Album „13“ wieder von sich hören ließ.

Wie alles begann

1987 gründete Dieter Zand, später zuständig für Gesang, Trompete und Harmonika bei den Ausseer Hardbradlern, die Junge Ausseer Bradlmusi. Der Begriff Bradlmusi leitet sich von den Bradlgeigern früherer Zeiten ab, die in Wirtshäusern aufspielten und als Entlohnung ein „Bratl“, einen Braten, erhielten. Florian Randacher, später Bandleader der Hardbradler, stieß zur Gruppe und bald war es nicht mehr Volksmusik allein, die die Bradlmusi bot, sondern eine Mischung aus Reggae, Blues, Rock, Funk und Soul. Dem neuen Stil entsprechend trat die Ausseer Bradlmusi als Feedback Warriors auf, aus der wenig später die Ausseer Hardbradler hervorgingen. Obwohl musikalisch ein Stilmix, blieb die Gruppe stets dem Dialekt treu und bezeichnete die eigene Musik als Neue Volksmusik.

 

Noch im Gründungsjahr, 1993, war bald nach dem Erscheinen die neu aufgenommene CD „Brunftzeit is“ ausverkauft, der Bekanntheitsgrad der steirischen Gruppe stieg rasant. 1994 wurden unter Andi Fabianek als Aufnahmeleiter im Tonstudio von Ewald Pfleger, dem Gitarristen von Opus, weitere Songs aufgenommen, die zu einem Vertrag mit der Plattenfirma EMI Music Austria führten. Im gleichen Jahr beschloss Peter Müller, Produzent von „Da Hofa wors“, die Ausseer Hardbradler zu produzieren. Mit ihm wurde schließlich ein Jahr später das erste Album „Hardbradln“ herausgebracht, das sich mit 25.000 verkauften Stück in Gold verwandelte.  Songs wie „Da Hirsch is auf da Pirsch“, „Du, i gfriar“ und „Dirndl, i liab di“ landeten in den Chats.

Aufitretn und Abiwedln – sogar in den Ö3 Charts

Auch auf Ö3 waren die Ausseer Hardbradler nun zu hören, „Aufitretn und Abiwedln“ landete in den Ö3 Austria Top 40. Der Kreis der Hardbradl-Fans wurde immer größer, 80.000 von ihnen verfolgten den Live-Auftritt der Gruppe auf dem Donauinsel-Fest. 1996 starteten die Ausseer Hardbradler unter dem Produzenten Wolfgang Czeland die Aufnahmen für das zweite Album „Bradlfett“, das sich schließlich in die Austria Top 10 einreihen konnte. Titel des Albums wie  „Mei Vader woar a Wildera – Papa was a Rolling Stone“  und „Lederhosn, stramme Wadln“ wurden allerorts mitgesungen. Für die Ausseer Hardbradler bedeutete „Bradlfett“ den absoluten Durchbruch.

Der kommerzielle Erfolg lässt nach

In den folgenden Jahren konnte sich jedoch keine neue Single mehr wirklich durchsetzen, die Band profierte lediglich früheren Titeln. Das dritte Album, das 1999 unter dem Namen „Bradl Air“ erschien, schaffte es zwar in die Charts, doch über Platz 27 kam es nicht hinaus.  Schließlich verlegte sich die Gruppe aus dem Ausseerland bei ihren Konzerten auf „Best-Of“-Programme. Es sollte bis zum Jahr 2001 dauern, bis sich wieder eine Single durchsetzen konnte, „I bin a Schifoara“, die auch in das Album CUBA aufgenommen wurde.

CUBA – das Kultalbum

Ein Jahr später wurde der Vertrag mit EMI Music gekündigt und zunächst selbst produziert. Mit dem Titel „Just another Day in da Sun am See“ gelang den Hardbradlern ein neuer Hit, es folgte das dazugehörige Album CUBA mit dem wohl bekanntesten Titel „Hoamweh nach BA“. Die Hardbradler begaben sich auf die Suche nach einer neuen Plattenfirma, da sich der Eigenvertrieb als schwierig und mühsam herausstellte. Durch die Vermittlung des Freundes und Kabarettisten Alf Poier wurde die Gruppe schließlich von edel music unter Vertrag genommen. Die Talfahrt schien beendet, der Weg führte wieder nach oben.

An den Hardbardlern kommt auch Ö3 nicht vorbei

 

Obwohl der Radiosender Ö3 inzwischen keine Austro-Songs im Dialekt mehr spielte, konnte er an „Hoamweh nach BA“ nicht vorbeigehen. Der Titel wurde von begeisterten Fans  in die Charts geholt. Das Album verkaufte sich über 30.000mal, die Goldene Schallplatte war damit den Ausseer Hardbradlern sicher. 2004 sollte das Album „Volkspunk“ an den Erfolg anknüpfen, doch den Anschluss an CUBA schaffte es nicht. Nach einem letzten Konzert in Altaussee löste sich die Gruppe schließlich auf. Die letzte CD der Ausseer Hardbradler erschien ein Jahr später, mit „Best-Of“- Titeln einer Gruppe, die in den erfolgreichen Jahren die Musikszene prägte.

Pioniere einer echten Musik

Neue Volksmusik ist längst ein Begriff geworden, Cross-Over mit Dialekttexten, ein Stilmittel. Aus der Volksmusik kommend, haben die Ausseer Hardbradler eine neue Richtung eingeschlagen, eine Richtung, die sich für die Musikszene zukunftsweisend zeigte. Beinahe symbolhaft ist der Amadeus für „Hoamweh nach BA“ ebenfalls nicht in den Tiefen des Toplitzsees geblieben, schließlich steht er für die richtungsweisende Musik der Ausseer Hardbradler. „Jetzt wo i furt bin, ho i gemerkt, wos du wert bist für mi“, mag vielleicht so mancher Fan noch heute wehmütig denken.